Ein Wehrgang für die Schüttorfer Stadtmauer

Bereit wenige Jahrzehnte nach der Verleihung der Stadtrechte durch Graf Egbert zu Bentheim im Jahr 1295 wurde damit begonnen, die junge Stadt Schüttorf zu einer Stadtfestung auszubauen. Kernstück der umfangreichen Befestigungsanlagen war eine fast 1,5 Kilometer lange und bis zu 10 Meter hohe Stadtmauer, die das gesamte damalige Stadtgebiet mit einer Fläche von rund 15 Hektar umschloss. Ergänzt wurde die Stadtmauer durch zwei breite Gräben und mehrere Wälle, so dass man von einen äußerst wehrhaften Verteidigungsring sprechen konnte, der die Stadt Schüttorf nahezu uneinnehmbar machte. In die Stadt gelangte man nur durch drei große Stadttore – dem Windtor im Osten, dem Steintor im Süden sowie dem Vehntor im Nordwesten – sowie durch ein Nebentor, das zur gräflichen Mühle führte.

Schüttorf – eine Stadtfestung

Rund 100 Jahre nach der Verleihung der Stadtrechte war Schüttorf von einer geschlossenen Verteidigungsanlage umgeben. Auf dem Bild von Jakob van Ruisdal zu erkennen: die Stadtmauer an der Vechte und das Windtor.

Das Gemälde von Frederik de Moucheron zeigt die Fenpoort (Stadttor an der Föhnstraße) im Nordwesten der Schüttorfer Altstadt. Deutlich zu erkennen, wie mächtig die Stadtmauer war.

Auch der Palas (Ostflügel) sowie der Südflügel der Stadtburg Altena waren in die Stadtmauer integriert. Bild von Gerrit Lamber

Unsere Stadtmauer – verkümmert aber immer noch einmalig

Durchbrochen von zahlreichen Garagen- und Gartentoren und vielfach schon abgetragen ist die Stadtmauer auch heute noch ein imposantes Bauwerk

Zur Zeit der Industrialisierung wurde dringend Wohnraum benötigt. In der Mauerstraße entstanden zahlreiche einfache Arbeiterhäuser, die als sogenannte 4. Wand die alte Stadtmauer nutzten.

Auf Höhe des Hagenspielplatzes, dort wo die Stadtmauer noch am höchsten ist, soll der Wehrgang errichtet werden.

Um den Verteidigern bei einem Angriff genügend Platz und Schutz zu bieten, wurde auf der Mauerkrone an strategisch wichtigen Punkten ein breiter, außen anliegender Wehrgang mit Brustwehr und Schießscharten angelegt.

Im 17. Jahrhundert verloren Stadtmauer und Wehrgang zunehmend an militärischer Bedeutung, da sie bei Angriffen mit Feuerwaffen und Kanonen kaum noch Schutz boten. So verfiel in den kommenden Jahrhunderten die Stadtmauer und die anderen Verteidigungsanlagen.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Wälle im Westen und Norden der Stadt geschliffen und die Stadtgräben verfüllt. Im Süden und Westen entstanden damit die sogenannten „Hagengärten“, die von den Schüttorfer Bürgern für Obst- und Gemüseanbau genutzt wurden. Im nordöstlichen Bereich an der Bleiche wurde zudem die Stadtmauer abgetragen um Platz für den Hausbau zu schaffen. Auch die drei Stadttore wurden wurden gegen Ende des 19. Jahrhunderts komplett abgetragen.

So kam es, dass heute von der ursprünglich 1.500 Meter langen Stadtmauer heute nur noch etwas mehr als 500 Meter erhalten geblieben sind. Damit weist aber Schüttorf die noch am besten erhaltene mittelalterliche Stadtbefestigung in ganz Nordwestdeutschland auf. Ein nicht zu unterschätzendes Alleinstellungsmerkmal. Und: die immer noch in Teile imposante Stadtmauer ist – neben der Burg in Bentheim– das älteste noch erhaltene Monumental-Bauwerk der Obergrafschaft, dass heute noch Zeugnis von der damaligen großen Bedeutung der kleinen Stadt an der Vechte abliefert.

Leider weisen die verbliebenen Reste der Stadtmauer in weiten Teilen große Lücken und Umbauten auf. Vielfach ist die Stadtmauer heute durch Garagen- und Gartentore unterbrochen. Für Straßenführungen wurden sogar Teile der Mauer einfach abgerissen und an einigen Stellen dient die Stadtmauer als „Vierte“ Wand beim Bau von Wohnhäusern. Auch wurde die Höhe der Mauer auf langer Strecke erheblich reduziert.

Heute ist die Stadtmauer nur noch auf wenige Meter an der Mauerstraße von der Steinstraße kommend auf ihrer ursprünglichen Höhe und Stärke erhalten geblieben. Nur hier ist auch noch der Mauerabsatz erhalten geblieben, auf dem früher der ehemalige Wehrgang befestigt worden war. Diesen Streckenabschnitt will der Heimatverein genutzt sehen, um einem Teil der alten Stadtmauer wieder etwas von ihrer Größe und Bedeutung zurückzugeben. Hier soll die Stadtmauer wieder einen Wehrgang erhalten, so wie er früher einmal in Schüttorf an vielen Stellen zu finden war.

So wie es früher einmal war

So soll er aussehen, der begehbare Wehrgang. Circa 45 Meter lang und komplett aus Holz gebaut.

Neue historische Erlebens- und Sehenswürdigkeit

Der Wehrgang könnte zu Anziehungspunkt für geschichtsinteressierte SchüttorferInnen und für die touristischen Gäste unsere Stadt werden.

Der begehbare und überdachte Wehrgang soll eine Länge von mindestens 33 Metern haben, angestrebt wird jedoch eine Gesamtlänge von 48 Metern plus Treppenaufgang. Er soll komplett aus Holz in historischer Bauweise errichtet werden.

Die Initiatoren des Projektes „Wehrgang“ sind überzeugt, dass mit der Errichtung des Wehrganges ein Ort lebendiger Geschichte besonders für die jüngeren BürgerInnen unsere Stadt geschaffen wird, der gleichzeitig auch weiteres touristisches Highlight für die Gäste unserer Stadt werden kann. Durch die Gestaltung des Umfeldes der neuen Stadtmauerbereichs kann hier ein attraktives und anschauliches Informations- und Lernzentrum entstehen, dass dazu animiert, in die mittelalterliche Stadtgeschichte von Schüttorf einzutauchen. Angedacht sind bereits Informationstafeln mit historischen Daten der Stadtentwicklung, aber auch über das Alltagsleben der Menschen zu dieser Zeit.